KNX-Zertifizierung Schweiz: anerkannte Kurse, Kosten und Ablauf 2026
Wer sich 2026 in der Schweiz zum KNX Partner Basic zertifiziert, zahlt etwa an der STFW Winterthur 2'150 CHF und kann bis zu 13'000 CHF/Jahr Weiterbildungskosten bei der direkten Bundessteuer abziehen.
In diesem Artikel
Die Schweiz gehört pro Kopf zu den dichtesten KNX-Märkten Europas. Der KNX-Fachverband ordnet sie regelmässig neben Deutschland und Österreich unter die drei führenden Märkte weltweit ein — getragen von internationalen Firmensitzen, Hochschulcampus, der Industrie in Ostschweiz und Mittelland sowie der energetischen Sanierung, die von den MuKEn 2014 geregelt (die Ausgabe 2025 gilt erst, wenn ein Kanton sie in sein Recht übernimmt) und von den Minergie-Labels gefördert wird. Für Elektroinstallateurinnen und -installateure, HLK-Fachleute und unabhängige Systemintegratorinnen und -integratoren in der Deutschschweiz ist die KNX-Partner-Zertifizierung 2026 praktisch zum Standard-Ausweis geworden, um das gehobene Gewerbesegment zu bedienen.
Das Schweizer Ökosystem ist dabei keine einfache Variante des deutschen oder österreichischen Modells. Die anerkannten Schulungszentren konzentrieren sich auf wenige, etablierte Adressen — allen voran in und um Zürich sowie in der Ostschweiz —, die Kurskosten liegen spürbar über dem europäischen Durchschnitt, und die Finanzierung stützt sich auf ein föderales Geflecht aus kantonalen Weiterbildungsgutscheinen, dem paritätischen Fonds des Gesamtarbeitsvertrags (GAV) der Elektrobranche (ausser in Genf und im Wallis) und einem steuerlichen Hebel: dem Abzug für Weiterbildungskosten nach Art. 33 Abs. 1 lit. j DBG von bis zu 13'000 CHF pro Jahr bei der direkten Bundessteuer.
Dieser Pillar-Guide gibt einen Überblick über die anerkannten KNX-Schulungszentren in der Deutschschweiz, die Kosten 2026 in CHF, den offiziellen 5-tägigen KNX-Basic-Lehrgang, die Besonderheiten der ETS6-Praxisprüfung im Schweizer Kontext, den Weg zu KNX Advanced, KNX Secure und KNX Tutor, Gehälter und Berufsaussichten in der Schweiz sowie den regulatorischen Rahmen (SIA 386, EnV, MuKEn, Minergie), der die Nachfrage strukturell trägt.
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Der KNX-Markt Schweiz 2026: Fokus Deutschschweiz
Eine Rekorddichte an KNX-Installationen
Die Schweiz zählt gut 9,1 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner (9'127'100 per 31. Dezember 2025, definitives Ergebnis des BFS) und gilt gemessen an der Zahl installierter KNX-Anlagen pro Kopf als einer der dichtesten Märkte weltweit. Historischer Treiber ist Feller AG mit Sitz in Horgen (ZH), seit 2007 eine Tochtergesellschaft von Schneider Electric und Schweizer Marktführerin bei Schalter- und Steckdosensystemen. Feller hat KNX früh in den Installateur-Alltag gebracht — insbesondere über die Mitglieder des Berufsverbands VSEI (Verband Schweizerischer Elektro-Installationsfirmen).
Deutschschweiz als Zentrum der Ausbildung
Die anerkannten KNX Training Centres konzentrieren sich mehrheitlich auf die Deutschschweiz: STFW Winterthur, KNX Swiss mit Sitz in Wallisellen (ZH) — dem nationalen Landesverband und der Koordinationsstelle der KNX Association für die Schweiz —, sowie die Schulungsstandorte von Feller in Horgen und Hager Suisse in Tübach (SG). Kurse und Prüfungen finden hier standardmässig auf Deutsch statt. Die Suisse romande verfügt über deutlich weniger, meist französischsprachige Zentren — ein Grund, weshalb sich ein eigener, deutschsprachiger Leitfaden für die Deutschschweiz lohnt.
Wirtschaftliche Nachfrage
Der Grossteil der Deutschschweizer KNX-Projekte entsteht in gewerblichen Neubauten und energetischen Sanierungen im Grossraum Zürich (internationale Firmensitze, Finanz- und Digitalwirtschaft), in Basel (Life-Science-Standort mit hohem Anteil an Gebäudetechnik-Investitionen) und in Bern (Bundesverwaltung und Dienstleistungssektor), ergänzt durch die Industrie- und KMU-Struktur der Ostschweiz und der Zentralschweiz. Diese Bandbreite an Bauherrschaften — von Konzernzentralen bis zu gehobenen Einfamilienhäusern — erklärt, weshalb KNX-zertifizierte Fachkräfte in nahezu jeder Deutschschweizer Region gefragt sind.
Wichtige Marktakteure
Auf Herstellerseite prägen Feller AG (Marktführerin), Hager Suisse, Schneider Electric Suisse, ABB Suisse, Theben, JUNG Suisse und Siemens Suisse den Markt. Auf Planungs- und Betreiberseite sind es vor allem regionale Elektroplanungsbüros sowie kantonale und städtische Energieversorger, über deren Ausschreibungen ein Grossteil der KNX-Projekte in der Deutschschweiz vergeben wird.
Anerkannte KNX-Schulungszentren in der Deutschschweiz
Die offizielle Zentrenliste
Die offizielle Liste der KNX Certified Training Centres findet sich unter knx.org, Rubrik Community/Partnerliste. Gefiltert nach Schweiz, zeigt sie eine klare Mehrheit deutschsprachiger Zentren gegenüber wenigen Adressen in der Suisse romande.
Die wichtigsten Zentren in der Deutschschweiz
- STFW Winterthur — eine der traditionsreichsten Adressen für die KNX-Basic- und -Advanced-Ausbildung in der Deutschschweiz, mit etablierter Werkstattinfrastruktur.
- KNX Swiss, Wallisellen (ZH) — Sitz des nationalen KNX-Landesverbands, zentrale Anlaufstelle für Partnersuche, Zertifizierungsfragen und die offizielle Zentrenliste.
- Feller AG, Horgen (ZH) — Hauptsitz des Schweizer Marktführers, mit eigenen KNX-Basic- und KNX-Advanced-Sessionen; die Kurse gelten als stark nachgefragt, eine Anmeldung mehrere Monate im Voraus wird empfohlen.
- Hager Suisse SA, Tübach (SG) — Hauptsitz von Hager Schweiz in der Ostschweiz, mit breitem Kursangebot (KNX Basic, KNX Advanced, domovea Expert, KNX Secure).
- Eltesta, Bern — Anbieter mit Fokus auf praxisnahe ETS6-Module im Grossraum Bern.
Ergänzendes Angebot in der Suisse romande
Für zweisprachige Kandidatinnen und Kandidaten oder bei ausgebuchten Deutschschweizer Terminen bietet die Suisse romande ergänzende, französischsprachige Sessionen an, unter anderem über Feller (Antenne Crissier, VD), Hager Suisse (frankophone Sessionen) sowie EPSIC Lausanne und CEFCO Genève in der Erwachsenenbildung. Für Deutschschweizer Kandidatinnen und Kandidaten ist das in der Regel nur bei ausdrücklichem Wunsch nach einer französischsprachigen Prüfung relevant.
Ein Zentrum auswählen: drei Kriterien
Prüfen Sie vor der Anmeldung (1) ob das Zentrum offiziell als KNX Certified Training Centre bei knx.org gelistet ist, (2) ob Kurs und Prüfung tatsächlich auf Deutsch stattfinden, und (3) wie weit im Voraus die nächste Session ausgebucht ist — bei Feller Horgen und Hager Tübach empfiehlt sich eine Anmeldung mehrere Monate im Voraus. Ein nicht zertifiziertes Zentrum stellt keine international gültige KNX-Partner-Karte aus, sondern höchstens eine interne Teilnahmebestätigung ohne Marktwert.
Kosten in CHF — Weiterbildungsfinanzierung und Steuerabzug
Veröffentlichte Tarife
Der KNX-Basic-Lehrgang kostet in der Schweiz deutlich mehr als die vergleichbare Ausbildung in Nachbarländern — eine Folge der Schweizer Lohn- und Mietkosten für die Schulungszentren. Gleichzeitig ist die öffentliche und paritätische Weiterbildungsförderung grosszügiger, als viele annehmen.
- KNX Basic, 5 Tage (Kurs + Prüfung): Die STFW Winterthur gibt für ihren KNX-Grundkurs mit Zertifizierung 2'150 CHF an, inklusive elektronischer Kursunterlagen, Mittagessen und Abschlussprüfung mit KNX-Zertifikat. Bei Feller Horgen und Hager Tübach erfragen Sie den aktuellen Preis vor der Anmeldung.
- KNX Advanced, KNX Tutor und Zusatzmodule von 2-3 Tagen (KNX Secure, IoT, Cloud): Preise beim jeweiligen Zentrum erfragen.
Hinzu kommen die Anschaffung von ETS6 Professional (1'000 EUR exkl. MWST im KNX-Shop) oder ETS6 Lite (200 EUR exkl. MWST) sowie gegebenenfalls eigenes Werkstattmaterial.
Kantonale Weiterbildungsgutscheine
Die Schweiz ist föderalistisch organisiert: Jeder Kanton hat sein eigenes Fördersystem für die berufliche Weiterbildung, das vor der Anmeldung individuell zu prüfen ist. Viele Deutschschweizer Kantone kennen kantonale Weiterbildungsgutscheine oder -beiträge im Rahmen ihrer kantonalen Berufsbildungsgesetze — die genauen Bedingungen (Höhe, Einkommensgrenzen, Berechtigungskriterien) variieren stark und sind beim zuständigen kantonalen Amt für Berufsbildung zu erfragen.
Paritätischer Fonds des GAV der Elektrobranche
Der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Schweizerischen Elektrobranche, abgeschlossen zwischen EIT.swiss und den Gewerkschaften Unia und Syna, sieht einen monatlichen Aus- und Weiterbildungsbeitrag vor, den Arbeitnehmende (per Lohnabzug) und Arbeitgeber entrichten. Er fliesst in einen paritätisch verwalteten Fonds, der unter anderem die berufliche Bildung fördert (Kurskosten, Lohnausfall infolge Kursbesuch). Die Allgemeinverbindlicherklärung durch den Bundesrat, verlängert bis zum 31. Dezember 2029, gilt für die ganze Schweiz mit Ausnahme der Kantone Genf und Wallis. Wenn Sie in einem dem GAV unterstellten Elektroinstallationsbetrieb angestellt sind (ausgenommen sind Kader sowie Mitarbeitende, die überwiegend administrative Aufgaben haben oder vorwiegend mit Planung, Projektierung, Kalkulation und Offerten beschäftigt sind), erfragen Sie bei der paritätischen Kommission (PK) Ihrer Region oder, wo keine besteht, bei der Paritätischen Landeskommission (PLK), welche Kurse unterstützt werden.
Steuerabzug nach Art. 33 Abs. 1 lit. j DBG
Der wirkungsvollste Hebel ist steuerlicher Natur. Seit 2016 erlaubt Art. 33 Abs. 1 lit. j DBG (Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer) jeder steuerpflichtigen Person, die Kosten für berufsorientierte Aus- und Weiterbildung bei der direkten Bundessteuer bis zu 13'000 CHF pro Steuerjahr vom steuerbaren Einkommen abzuziehen (Höchstbetrag der Steuerjahre 2025 und 2026, an die Teuerung angepasst). Das umfasst Kursgebühren, Prüfungskosten, Fachliteratur sowie Reise- und Übernachtungskosten. Die Kantone wenden nach StHG dieselbe Regelung an, mit einem nach kantonalem Recht bestimmten Höchstbetrag. Die Steuerersparnis hängt vom persönlichen Grenzsteuersatz ab — die effektive Nettoinvestition sinkt entsprechend.
Der offizielle KNX-Basic-Lehrgang: 5 Tage in der Schweiz
Sieben offizielle Kapitel
Das KNX-Basic-Curriculum folgt weltweit demselben, von der KNX Association definierten Standard — Schweizer Zentren ändern weder Inhalt noch Dauer. Genau das sichert die internationale Anerkennung der KNX-Partner-Karte.
1. KNX-Systemargumente — Geschichte von EIB/EHS/BatiBUS, Normen ISO/IEC 14543-3 und EN 50090, Philosophie des offenen Standards. 2. Systemübersicht — Telegramme, Gruppenadressen, Data Point Types (DPT), 30 V DC SELV. 3. Topologie — Linie/Bereich/Domäne, Koppler, TP1-Verkabelung, KNX/IP, physikalische Adressen (Bereich.Linie.Teilnehmer); 64 Teilnehmer pro Liniensegment bei TP-64 (256 bei TP-256), höchstens 4 Segmente und 256 Teilnehmer pro Linie. 4. Installation — Busspannungsversorgungen mit 320/640 mA, Kabeltyp EIB Y(St)Y 2x2x0,8 mm, maximale Leitungslängen, Schutzmassnahmen. 5. Busgeräte — Beleuchtung, Storen, Heizung, Lüftung, Energiemessung, Szenen, Logikverknüpfungen. 6. KNX RF — Funkübertragung, Kopplung TP/RF, Inbetriebnahme von Funkgeräten. 7. ETS6 Professional — Softwareinstallation, Herstellerkataloge importieren, physikalische Adressierung, Parametrierung der Kommunikationsobjekte, Diagnose (Busanalyse, Monitoring, Topologiefehler), dann Praxis an einem typischen Wohnungs- oder Bürodemonstrator.
Ablauf in der Schweiz
Fünf aufeinanderfolgende Tage (Montag bis Freitag), üblicherweise von 8.30 bis 17.00 Uhr, in der Regel mit Verpflegung durch das Schulungszentrum. Die Theorieprüfung findet meist am Freitagvormittag statt, die Praxisprüfung am ETS6-Demonstrator am Freitagnachmittag. Sessionen bei Feller Horgen und Hager Tübach sind häufig früh ausgebucht — eine frühzeitige Anmeldung lohnt sich.
Material und Voraussetzungen
Das Schulungszentrum stellt Werkstattmaterial (Spannungsversorgung, Binäraktoren, DALI-Gateway, Storenaktor, gängige Sensoren) sowie ETS6 auf zentrumseigenen Rechnern bereit. Offizielle Voraussetzung ist eine elektrotechnische Grundausbildung (EFZ Elektroinstallateur/in oder gleichwertig): KNX setzt keine Elektrotechnik-Grundlagen voraus, sondern baut auf ihnen auf. HLK- und IT-Integrationsprofile werden akzeptiert, sofern die Grundlagen der 230-V-Technik beherrscht werden.
Was erhält man am Ende?
Wer beide Prüfungsteile besteht, erhält die internationale KNX-Partner-Basic-Zertifizierung, eine persönliche Partnernummer, die KNX-Partner-Karte sowie Zugang zu den reservierten Ressourcen auf my.knx.org. Die Zertifizierung ist lebenslang gültig; eine jährliche Mitgliedschaft bei der KNX Association wird jedoch empfohlen, um im offiziellen Verzeichnis geführt zu werden.
Die ETS6-Praxisprüfung in der Schweiz: Besonderheiten
Theorie: Bestehensgrenze beachten
Der Ablauf der KNX-Basic-Prüfung folgt in der Schweiz dem international vorgegebenen Format: eine Theorieprüfung von 1,5 Stunden und eine ETS6-Praxisprüfung von 1,5 Stunden. Trotzdem gibt es einige lokale Besonderheiten, auf die man sich gezielt vorbereiten sollte.
Die Theorieprüfung umfasst laut offizieller Prüfungsordnung 100 Wahr/Falsch-Aussagen zu allen sieben Kapiteln des Curriculums. Bewertet wird mit +1 Punkt pro richtiger Antwort, −0,5 Punkten pro falscher Antwort und 0 Punkten für unbeantwortete Aussagen — die Bestehensgrenze liegt bei 50 %. Die Kursunterlagen (Papier/PDF) dürfen während der Prüfung konsultiert werden. Kandidatinnen und Kandidaten aus der Deutschschweiz berichten von einer leichten Schwerpunktsetzung auf Topologie und Diagnose in den Sessionen von Feller und Hager — eine gezielte Wiederholung dieser beiden Kapitel vor der Prüfung zahlt sich aus.
Praxis: anderthalb Stunden am Demonstrator
Am Prüfungstag erhalten Sie ein Werkstattmodell (Spannungsversorgung, zwei bis drei Binäraktoren, ein DALI- oder Storenmodul, ein bis zwei Taster, ein Sensor) sowie ein schriftliches Lastenheft mit mehreren zu programmierenden Szenarien (Schalten, Dimmen, Szene, Zeitprogramm). Bewertet werden die tatsächliche Funktion, die Konsistenz der Adressierung sowie die Sauberkeit im ETS-Projekt (Kommentare, Gruppenstruktur).
Schweizer Besonderheiten
- Herstellerkataloge: Deutschschweizer Zentren arbeiten überwiegend mit den Katalogen von Feller, Hager und Theben — machen Sie sich vorab mit deren Kommunikationsobjekten vertraut.
- Bezeichnungskonventionen VSEI: Manche Prüfungsexpertinnen und -experten honorieren eine saubere Namensgebung von Gruppenadressen nach den Konventionen des Berufsverbands VSEI — nicht zwingend, aber vorteilhaft.
- Schweizer Elektronormen: Die Werkstattspannung ist 230 V einphasig, doch Klemmen- und Schaltzeichen folgen den Normen von SEV/Electrosuisse, die von den in Deutschland gebräuchlichen DIN-VDE-Vorschriften abweichen — ein rascher Blick auf die lokalen Schemazeichen erspart Verwirrung am Prüfungstag.
Im Fall eines Misserfolgs
Eine Wiederholungsprüfung ist nach 30 bis 90 Tagen möglich, wobei nur der nicht bestandene Teil (Theorie oder Praxis) erneut abgelegt wird. Die Kosten einer Nachprüfungssession legt das jeweilige Zentrum fest; erfragen Sie sie vor der Anmeldung.
Tipps erfahrener Prüfungsexpertinnen und -experten
Üben Sie zwei Wochen vor der Session mit der kostenlosen ETS6 Demo (Projekte mit maximal 5 Teilnehmern) zu Hause, wiederholen Sie die Übungen aus dem Kurshandbuch mehrfach, und drucken Sie sich eine Zusammenfassung der 30 häufigsten DPT aus — das ist laut Rückmeldungen die wirksamste Vorbereitung für die Praxisprüfung.
KNX Advanced und weiterführend: Tutor, Secure, IP
KNX Advanced: Mehrzonen-Architektur und IP-Backbone
KNX Basic ist die Mindestvoraussetzung für den Deutschschweizer Markt. Um das gehobene Gewerbesegment (Konzernsitze, gehobene Hotellerie, Hochschulcampus, Life-Science-Standorte) zu bedienen, führt der Weg über KNX Advanced und seine Zusatzmodule.
Die KNX-Advanced-Ausbildung dauert 5 Tage und setzt eine abgeschlossene KNX-Basic-Zertifizierung voraus (kein Pflichtabstand, jedoch werden 6-12 Monate Praxiserfahrung empfohlen). Programm: Mehrgebäude-Architektur mit KNX/IP-Backbone (IP-Router, verteilte TP1-Segmente), erweiterte Diagnose (Analyse von KNXnet/IP-Telegrammen), Schnittstellen zu Modbus, BACnet und DALI-2 sowie komplexe Szenarien (bedingte Logik, Skripte) und die Optimierung der Buslast.
KNX Secure: Cybersicherheit für den Bus
Das Modul KNX Secure (2-3 Tage) behandelt die Absicherung des Busses durch AES-128-Verschlüsselung auf Applikationsebene (Data Secure) und auf IP-Ebene (IP Secure), das Schlüsselmanagement sowie die Authentifizierung von Installateurinnen und Installateuren. Seit 2024 gilt das Modul praktisch als Marktstandard für internetverbundene Gewerbebauten, auch im Zusammenhang mit der europäischen NIS2-Richtlinie und wachsenden Cybersicherheitsanforderungen an kritische Infrastrukturen in der Schweiz.
KNX IoT und Cloud
Das Modul KNX IoT behandelt die Anbindung über die KNX-IoT-3rd-Party-API, Matter/Thread-Bridges sowie Cloud-Integrationen (Amazon, Google, Apple HomeKit). Zielgruppe: gehobene Wohnintegration und Hotellerie. Dauer: 2 Tage.
KNX Tutor: selbst zur Trainerin oder zum Trainer werden
Der Titel KNX Tutor berechtigt zur Durchführung von KNX-Kursen unter der Trägerschaft eines zertifizierten Zentrums. Zulassungsbedingungen und Termine erfragen Sie bei der KNX Association bzw. bei KNX Swiss.
Empfohlener Werdegang
Jahr 1: KNX Basic (STFW Winterthur, Feller Horgen oder Hager Tübach). Jahr 2: KNX Advanced + KNX Secure, idealerweise im Bundle. Jahr 3-4: KNX IoT bei Fokus auf Wohnintegration/Hotellerie, oder ein vertiefendes DALI-2-Modul bei Fokus Gewerbebeleuchtung. Jahr 5+: KNX Tutor anstreben oder sich auf Gebäude-Cybersicherheit spezialisieren.
Gehalt und Berufsaussichten in der Schweiz 2026
Löhne
Die Nachfrage nach KNX-zertifizierten Fachkräften wird von der hohen Gewerbedichte getragen. Die Vergütung steigt mit Erfahrung und Zertifizierungsstufe: von Technikerinnen und Technikern mit KNX Basic beim Berufseinstieg über die KNX-Advanced-Projektleitung bis zu den sehr seltenen Profilen mit KNX Tutor, KNX Secure und technischer Leitung. Mangels überprüfbarer öffentlicher Quelle speziell für KNX-zertifizierte Profile nennt dieser Leitfaden keine Lohnspannen — vergleichen Sie die Stellenangebote in Ihrem Kanton.
Hinzu kommen üblicherweise eine variable Vergütung, grosszügige Kilometerpauschalen sowie eine berufliche Vorsorge (BVG), die bei grösseren Unternehmen häufig über dem gesetzlichen Minimum liegt.
Selbstständige
Tagessätze und Pauschalen für die Inbetriebnahme (etwa bei Premium-Einfamilienhäusern) hängen von Region, Projektkomplexität und Spezialisierung ab (KNX Advanced, KNX Secure, Audit- und Gutachtenmandate). Selbstständige sollten ihre Sozialabgaben (AHV, IV, EO, freiwillige BVG-Beiträge, Unfallversicherung) sowie die MWST (Normalsatz 8,1 %) ab 100'000 CHF Jahresumsatz einplanen.
Wo die Nachfrage konkret entsteht
Der Grossraum Zürich bündelt internationale Firmensitze, Finanz- und Digitalwirtschaft sowie Hochschulinfrastruktur; Basel den Life-Science-Sektor mit hohem Gebäudetechnik-Investitionsvolumen; Bern die Bundesverwaltung und den Dienstleistungssektor; die Ostschweiz und Zentralschweiz eine breite Industrie- und KMU-Landschaft mit stetiger Nachfrage nach Gebäudeautomation. Der Markt bleibt strukturell unterversorgt an Advanced-zertifizierten Fachkräften — bei Profilen mit 5+ Jahren Erfahrung wählt eher die Fachperson den Arbeitgeber als umgekehrt.
Regulatorischer Rahmen: SIA 386, EnV, MuKEn, Minergie
Der Schweizer KNX-Markt bewegt sich in einem mehrstufigen regulatorischen Geflecht aus SIA-Normen, Bundesverordnung, kantonalen Vorschriften und freiwilligen Labels, das die Gebäudeautomation im Gewerbe und im gehobenen Wohnbau begünstigt.
SIA 386.110 und 386.111 — Gebäudeautomation und Energieeffizienz
Die Norm SIA 386.110 war die Schweizer Übernahme der europäischen Norm EN 15232 (Ausgaben 2007 und 2012) und wurde 2018 zurückgezogen. Heute gilt die SN EN ISO 52120-1:2022 (SIA 386.111), die 2022 die SN EN 15232-1:2017 ersetzt hat. Wie die EN 15232 teilt sie die Funktionen der Gebäudeautomation und des technischen Gebäudemanagements in vier Energieeffizienzklassen (A bis D) ein: Klasse C dient als Referenz, Klasse B setzt unter anderem voraus, dass die Raumregler mit dem zentralen Automationssystem kommunizieren, Klasse A verlangt eine vollständige Systemintegration. Die Norm beschreibt Funktionen, schreibt aber kein Kommunikationsprotokoll vor; ein offener Bus wie KNX ist eines der Mittel, um diese Raumregler zu vernetzen.
EnV (Energieverordnung, SR 730.01)
Die Energieverordnung (EnV) vom 1. November 2017 ist seit 2018 in Kraft und setzt das Energiegesetz auf Bundesebene um; die Gebäudevorschriften selbst sind Sache der Kantone (MuKEn). Sie steht im Austausch mit der europäischen EPBD-Richtlinie, ohne deren direkte Umsetzung zu sein — die Schweiz ist kein EU-Mitglied.
MuKEn 2014/2025 — Mustervorschriften der Kantone
Die MuKEn (Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich) werden von der Konferenz Kantonaler Energiedirektoren (EnDK) erarbeitet. Jeder Kanton überführt sie eigenständig in sein kantonales Energiegesetz. MuKEn 2014 bildet weiterhin die Grundlage; die Ausgabe MuKEn 2025 (von der EnDK am 29. August 2025 verabschiedet) verlangt, sobald ein Kanton sie übernimmt, Einrichtungen zur Gebäudeautomation für Neubauten der Kategorien III bis XII (Norm SIA 380/1) mit mindestens 2'000 m² Energiebezugsfläche (EBF). Auch in der Deutschschweiz haben zahlreiche Kantone die MuKEn ganz oder teilweise in ihr kantonales Energierecht übernommen.
Label Minergie — Motor des Premium-KNX-Markts
Die Labels Minergie, Minergie-P, Minergie-A und Minergie-ECO sind freiwillig, aber im Gewerbeneubau und im gehobenen Wohnbau nahezu Standard. Insbesondere Minergie-A (Gebäude mit positiver Energiebilanz) setzt in der Praxis eine leistungsfähige Gebäudeautomation voraus — KNX ist bei einem Grossteil der Minergie-zertifizierten Architekturbüros die Standardwahl. Das Label wird von minergie.ch verwaltet und in mehreren Kantonen zusätzlich finanziell gefördert.
Die Folge: strukturell anhaltende Nachfrage
Zusammen bilden SIA 386 + EnV + MuKEn 2014/2025 + Minergie eine regulatorische Grundlage, in der die Gebäudeautomation auf offenem Bus-Standard die dominante Option ist. KNX ist dabei in der Praxis ein sehr verbreiteter Referenzstandard im Deutschschweizer Gewerbeneubau. Diese Nachfrage stützt sich auf Ersatz- und Sanierungsbedarf. Praktische Schlussfolgerung für Fachkräfte in der Deutschschweiz: zuerst KNX Basic, danach KNX Advanced und KNX Secure je nach Projektschwerpunkt.
Quelle
- STFW Winterthur — KNX-Grundkurs mit Zertifizierung (Preis) ↗
- KNX Association — ETS-Shop (Preise der ETS6-Lizenzen) ↗
- KNX Association — What is ETS (kostenlose Demoversion) ↗
- ESTV — Steuermäppchen 2025: Aus- und Weiterbildungskosten (PDF) ↗
- ESTV — EFD passt Steuertarife an Teuerung an (11. September 2025) ↗
- ESTV — MWST-Steuersätze Schweiz ↗
- ch.ch — Schweizer Mehrwertsteuer (MWST) ↗
- SECO — Bundesratsbeschluss vom 15. September 2020 über die Allgemeinverbindlicherklärung des GAV der Schweizerischen Elektrobranche (PDF) ↗
- SECO — GAV der Schweizerischen Elektrobranche, Verlängerung und Änderung vom 11. Dezember 2025 (PDF) ↗
- EnDK — Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn), Ausgabe 2025 (PDF) ↗
- Fedlex — Energieverordnung (EnV, SR 730.01) ↗
- Fedlex — Energiegesetz (EnG, SR 730.0), Art. 45 Gebäude ↗
- SNV — SN EN 15232:2012 (SIA 386.110), zurückgezogen und ersetzt ↗
- SNV — SN EN ISO 52120-1:2022 (SIA 386.111), aktuelle Norm ↗
- Buildwise — EN ISO 52120-1: Klassifizierung und Bewertung der Gebäudeautomation (PDF, auf Französisch) ↗
- BFS — Das Bevölkerungswachstum hat sich im Jahr 2025 leicht verlangsamt (20. August 2026) ↗
Häufige Fragen
Welche anerkannten KNX-Schulungszentren gibt es in der Deutschschweiz?
Wie viel kostet KNX Basic in CHF im Jahr 2026?
Was macht die KNX-Weiterbildung in der Schweiz im internationalen Vergleich besonders?
In welcher Sprache wird die KNX-Prüfung in der Schweiz durchgeführt?
Wie finanziere ich meine KNX-Weiterbildung in der Schweiz?
Ist KNX in der Schweiz für Minergie- oder MuKEn-Gebäude vorgeschrieben?
Weiterführende Links
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